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Tonnenweise Plastikmüll – was wir unseren Meeren antun


von Lukas

80 Millionen Tonnen Plastikmüll befinden sich derzeit nach Schätzungen der Umweltorganisation WWF in unseren Meeren weltweit – und jährlich kommen zwischen 4,8 und 12,7 Tonnen dazu. Geht die Entwicklung so weiter, dann entspricht im Jahr 2050 das Gewicht des Plastiks dem Gewicht der gesamten Fischwelt in den Meeren. Da braucht es keine große Umweltkompetenz, um sich auszurechnen, was wir damit der Natur und Tierwelt antun.


Fehlende Verantwortung

Wer sind die Verursacher? Es lassen sich drei Hauptgruppen unterscheiden. Das sind zunächst einmal die Verbraucher, die ihren Plastikmüll nicht sachgemäß entsorgen. Wirft man einen Blick auf die Strände an Nord- und Ostsee, sind achtlos liegengelassene Plastikflaschen und Umverpackungen keine Seltenheit. Aber auch ein Besuch in Erholungsgebieten an Flüssen, wie zum Beispiel dem Rhein, kann ernüchternd sein. Um es deutlich zu sagen: Plastik im Meer wurde dort nicht zwangsläufig direkt hineingeworfen. Weltweit überall achtlos entsorgtes Plastik kann über Wind und Wasser schlussendlich im Meer landen.

In Schwellen- und Entwicklungsländern ist die Situation allerdings ungleich dramatischer als in Deutschland. Während bei uns die Ignoranz der Verbraucher der Grund ist, gibt es in vielen Ländern weltweit einfach keine entsprechende Müllinfrastruktur. Es fehlen die Systeme zur Abfallbeseitigung und zum Recycling. Der Gelbe Punkt ist keine weltweite Institution. Der Müll stapelt sich in manchen Ländern im Freien, und selbst wenn nicht am Meer gelegen, kann der Abfall und damit das Plastik über Flüsse ins Meer gespült werden. 

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Die zweite Verursachergruppe ist die Schifffahrt. Auch wenn es natürlich verboten ist, gibt es viele schwarze Schafe, die ihren Müll lieber auf offenem Meer „entsorgen“, statt ihn fachgerecht am nächsten Hafen abzugeben. Naturgemäß ist es schwierig, diese Umweltsünder zu stellen.

Auch die Fischerei lässt kräftig Plastik ins Meer, meist in Form von verlorenen oder weggeworfenen Fischernetzen, worin sich Meerestiere verfangen können und kläglich verenden.


Schaden für die Tierwelt

Und da sind wir nun bei der Tierwelt. Überflüssig zu sagen, dass die darunter leidet. Wir alle haben schon Bilder von toten Walen gesehen, in deren Mägen sich quasi eine Plastikmüllhalde befindet. Meeresschildkröten zum Beispiel ernähren sich häufig von Quallen und verwechseln diese mitunter mit dahintreibendem Plastikmüll. Abgesehen davon, dass das Fressen von Plastik an sich nicht gesund sein kann, führt es dazu, dass sich die Tiere vermeintlich satt fühlen und dadurch qualvoll verhungern.

Besonders schädlich für Tier und Natur sind die künstlichen Weichmacher, die häufig im Plastikmüll vorkommen.


Stichwort Mikroplastik

Ein Sonderthema sind Mikroplastikteilchen, die nur wenige Millimeter groß sind. Man unterscheidet sie in primäre und sekundäre. Primäre Mikroplastik wird gewollt so produziert, häufig von der Kosmetikindustrie verwendet und gelangt so in Form von Kosmetikrückständen wie Sonnenmilch ins Wasser. Sekundäre Teilchen entstehen durch Abrieb, zum Beispiel von Autoreifen. Aber auch Plastikflaschen, die auf dem Meeresboden treiben, geben nach und nach Mikroplastik frei. Wissenschaftler haben in vielen Fischarten Mikroplastik gefunden, was natürlich bei entsprechendem Verzehr auch wieder beim Menschen anlangt. Ein Teufelskreis also: Der Mensch produziert Plastik, Tiere fressen Plastik, und der Mensch isst die Tiere.

Es muss dringend etwas getan werden. Dabei gibt es viele Ansätze, um gegen Plastik in unseren Meeren anzugehen. Ein wichtiges Thema ist die Förderung der Infrastruktur in Entwicklungsländern mit dem Auf- und Ausbau von Recyclingsystemen. Auch ein Verbot des Einsatzes von Mikroplastik bei Kosmetika ist im Gespräch.

Grundsätzlich müssen die Verbraucher noch deutlicher als bisher für die Problematik sensibilisiert werden. Denn er hat immerhin selbst die Möglichkeit, durch sein Konsumverhalten in einem kleinen Teil dem Plastikwahn in den Meeren gegenzusteuern.

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