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Weltklimakonferenz 2018 – die Zeit wird immer knapper


von Lukas

Schon zum 24. Mal treffen sich Staats- und Regierungschefs mit Fachleuten aus Umwelt, Wirtschaft und Technologie, um über die Zukunft des Planeten zu verhandeln. Nach dem Paris-Abkommen bestand Hoffnung, dass die Klimaziele mit ehrgeizigen Maßnahmen vielleicht doch noch zu erreichen sind. Der Ausstieg der USA, den Präsident Trump verkündet hat, war dabei ein großer Dämpfer. Doch selbst ohne diesen Ausstieg scheint der Klimawandel bereits so weit fortgeschritten zu sein, dass die bisherigen Klimaziele kaum zu halten sind. Dabei drängen Experten sogar auf eine Verschärfung der Klimaziele, um das Schlimmste zu verhindern. Dass der Klimawandel durch die Erderwärmung bereits in vollem Gange ist, leugnen nur noch wirklich überzeugte Klimaschutzgegner. Das Hauptproblem ist: Die Einsicht bei vielen könnte zu spät kommen, denn die Zeit rennt der Erde zweifellos davon. Aber was ist die Weltklimakonferenz eigentlich genau und welche Ziele werden verfolgt – und wie sieht es mit der Umsetzung aus? 

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Der Ausstieg der USA unter Donald Trump und seiner republikanischer Regierung. Dabei gelten die USA als einer der wichtigsten Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung, weil die großen Industriestaaten nun einmal den größten Anteil am CO2-Ausstoß haben. http://cop24.katowice.eu/de 

 

Was ist die Weltklimakonferenz?

Die UN-Klimakonferenzen finden seit 1995 jährlich statt und werden meist auch als Klimagipfel bezeichnet. Streng genommen ist jedes Treffen zum Thema Klimaschutz ein Klimagipfel, wenn Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Umweltschutzverbänden zusammenkommen, um über die Problematik zu reden. Im Sinne der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen ist mit diesem Begriff jedoch der jährliche Klimagipfel gemeint, der immer in einem anderen Mitgliedsstaat stattfindet. Der sperrige Begriff „United Nations Framework Convention on Climate Change, 24rd Conference of the Parties“ wird dabei kurz mit COP 24 abgekürzt. Ergänzt wird die Weltklimakonferenz 2018 durch die Mitglieder, die das Kyoto Protokoll von 1997 unterzeichnet haben sowie durch die Staaten, die dem Klimaschutzabkommen von Paris 2015 beigetreten sind. Dieses Weltklimaabkommen von Paris war dabei die erste wirkliche Vereinbarung zum Klimaschutz, der Chancen auf Erfolg eingeräumt werden. 


In der Geschichte der Weltklimakonferenz dominierte zuvor immer die Unverbindlichkeit von Vereinbarungen und Sanktionen, die bei Nichteinhaltung drohten. Viele Unterzeichnerstaaten verfehlten die Kyoto-Ziele jedoch oder ratifizierten sie anschließend nicht, so dass Kyoto insgesamt als Fehlschlag gilt. Für das Abkommen von Paris wurde ein anderer Weg gegangen, bei dem die einzelnen Mitgliedsstaaten eigene Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen einbringen. Die Ziele der Weltklimakonferenz sind letztlich jedoch immer die gleichen: Der Schutz des Klimas. Erreicht werden soll dies mit Maßnahmen, welche die Erderwärmung begrenzen. Ohne eine solche Begrenzung rechnen Experten mit einem Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur in einem Bereich zwischen 1,1°C und 6,4°C. Was nicht gravierend klingt, hätte dramatische Auswirkungen auf das Weltklima, etwa durch das Abschmelzen des Eispanzers in Grönland und einen Anstieg des Meeresspiegels, der weite Teile der Küstenregionen und Inselstaaten betreffen würde. Hinzu kommt, dass sich durch die fortgesetzte Erwärmung der Effekt automatisch verstärkt, weil im Permafrostboden der Arktis dann weitere Treibhausgase wie Methan freigesetzt würden. Größtes Problem ist aber nach wie vor die Emission von Treibhausgasen durch den Menschen, an erster Stelle Kohlendioxid (CO2), das in erster Linie von Industrienationen ausgestoßen wird.

 

 

Geschichte der Weltklimakonferenz

In der Geschichte der Weltklimakonferenz gab es oft mehr Frustration als Kooperation, weil insbesondere die reichen Industrienationen Probleme für ihre Wirtschaft befürchteten. In Zeiten schwieriger Konjunkturlagen schien der Umweltschutz häufig in den Hintergrund zu treten. Doch auch die aufstrebenden Schwellenländer wie Indien und China haben durch ihr immenses Wachstum in den letzten Jahrzehnten maßgeblich zur Verschlechterung der Lage beigetragen. Begonnen hat die Geschichte mit dem ersten Übereinkommen über den Klimaschutz von Rio de Janeiro im Jahr 1992. Die erste offizielle Weltklimakonferenz (COP 1) fand 1995 in Berlin statt. Seitdem wechselt das Gastgeberland jedes Jahr. Zwischen diesen großen Klimagipfeln gibt es immer wieder ergänzende und vorbereitende Treffen der Mitgliedsstaaten, die alle auf Fortschritte für den Klimaschutz hinarbeiten. Größter Erfolg der Veranstaltung ist vermutlich, dass die Zahl der Mitglieder der Weltklimakonferenz sehr groß geworden ist. Mittlerweile umfasst die Teilnehmerliste (inklusive der Teilnehmer des Kyoto-Protokolls und der Unterzeichner des Paris-Abkommens) mehr als 190 Länder. Damit sind fast alle in den Vereinten Nationen vertretenen Staaten Mitglieder der Weltklimakonferenz. Konkrete Ergebnisse gab es aber in der Historie der Weltklimakonferenz eher selten, da sich die Verhandlungen sehr zäh gestalten. 


Der Aufwand der vielen vorbereitenden Treffen scheint für viele Kritiker der Weltklimakonferenz nicht in einem sinnvollen Verhältnis zu stehen, da schon um die Tagesordnung häufig gestritten wird. Außerdem ist der logistische Aufwand für Anreise, Unterbringung, Vorbereitungen, Verpflegung und Transport oft alles andere als klimafreundlich gestaltet. Die Formulierung von Abschlusserklärungen oder gar die Verabschiedung verbindlicher Vereinbarungen zum Klimaschutz ist eher die Ausnahme. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Mitglieder der Weltklimakonferenz, also alle 196 Unterzeichnerstaaten der Klimarahmenkonvention, müssen Beschlüsse einstimmig fassen. Das kann sehr frustrierend sein, wie der Klimagipfel 2009 in Kopenhagen zeigte: Damals konnte kein verbindlicher Beschluss durch die Mitglieder der Weltklimakonferenz gefasst werden, weil sich Nicaragua und drei weitere Staaten weigerten, sich den dort verfassten Zielen anzuschließen. Vorgegeben war eine Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als 2°C im Vergleich zum Niveau des vorindustriellen Zeitalters.

 

 

Meilensteine der Weltklimakonferenz:

  • 1992: Erster „internationaler Umweltgipfel“ in Rio mit 130 Teilnehmerstaaten. Ergebnis: Klima-Rahmenkonvention der UN.

 

  • 1995: Erster UN-Klimagipfel in Berlin. Deutschland versprach eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 25 Prozent bis 2005. Tatsächlich erreicht wurden nur 17,5 Prozent.

 

  • 1997: Erstmals verbindliche Ziele für 37 Industrieländer und die EU im Rahmen des Kyoto-Protokolls festgelegt. Schwellen- und Entwicklungsländer waren ausgenommen. Das Kyoto-Protokoll trat aber erst nach langen Diskussionen 2005 in Kraft und lief 2012 aus.

 

  • 2009: 15. Klimakonferenz in Kopenhagen projektiert Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C. Kein völkerrechtlich verbindlicher Beschluss wegen Einspruch durch Nicaragua, Bolivien, Venezuela und Mosambik.

 

  • 2010: 16. Weltklimakonferenz in Cancun fasst völkerrechtlich bindenden Beschluss der in Kopenhagen vereinbarten Ziele, Möglichkeit einer Senkung von 2°C auf 1,5°C besprochen. Außerdem wirtschaftliche Anreize für die Erhaltung von Wäldern im Kampf gegen die weltweite Rodung.

 

  • 2011: Kyoto-Protokoll wird bei der COP 17 in Durban verlängert, außerdem wird Erarbeitung eines rechtsverbindlichen Ergebnisses für einen Klimavertrag bis 2015 mit Inkrafttreten ab 2020 beschlossen.

 

  • 2015: COP 15 in Paris endet mit dem bekannten Paris-Abkommen zum Klimaschutz, das die Nachfolge des Kyoto-Protokolls antritt und ehrgeizige Ziele setzt.

 

  • 2017: In Bonn wird auf dem COP 23 ein Kompromiss für die Umsetzung des Pariser Abkommens erarbeitet. Zudem bekennen sich 19 Länder zum Kohleausstieg.

 

 

Was können die Mitglieder der Weltklimakonferenz noch erreichen?

Großes Aufsehen erregte die Ankündigung von US-Präsident Trump, das Paris-Abkommen zu verlassen. Dabei gelten die USA als einer der wichtigsten Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung, weil die großen Industriestaaten nun einmal den größten Anteil am CO2-Ausstoß haben. Die Auswirkungen der Austrittsankündigung werden von Experten allerdings gar nicht als so dramatisch angesehen. Das liegt zum einen daran, dass die USA völkerrechtlich an eine Austrittsfrist gebunden sind und der Ausstieg aus dem Abkommen erst gegen Ende von Trumps Amtszeit überhaupt effektiv möglich wäre. Eine etwaige neue US-Administration könnte dies dann wiederum rückgängig machen. Doch selbst, wenn Trump in eine zweite Amtszeit gewählt würde, wären die Effekte eher gering, denn der Großteil der maßgeblich am CO2-Ausstoß beteiligten Unternehmen in den USA haben sich bereits dazu verpflichtet, die Ziele des Pariser Abkommens unabhängig von Trumps Erklärungen einhalten zu wollen. Damit wollen sie sicherstellen, auch langfristig in einer Welt konkurrenzfähig zu sein, in der andere Industrieländer den Umstieg auf neue Technologien vollziehen. Doch abgesehen vom politischen Tauziehen schlagen Wissenschaftler Alarm. 


Angesichts der zunehmenden Wetterextreme und der offensichtlichen Beschleunigung der Erderwärmung könnten selbst die ambitioniertesten Ergebnisse der Weltklimakonferenz zu spät kommen. Tatsächlich wird bezweifelt, ob die Klimaziele in vielen Industrieländern überhaupt noch einzuhalten sind. Hinzu kommt, dass selbst die erfolgreiche Einhaltung der Ziele den Effekt des Klimawandels nicht stoppen kann, sondern nur verzögert bzw. in den Auswirkungen begrenzt.

 

 

Gibt es konkrete Ziele der Weltklimakonferenz 2018 in Polen?

Die COP 24, die im Dezember 2018 im polnischen Kattowitz stattfinden soll, steht unter dem Eindruck eines der wärmsten und trockensten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Gerade der trockene und überdurchschnittlich heiße Sommer hat vielen Politikern gezeigt, dass der Klimawandel sich stark beschleunigt und mittlerweile konkrete wirtschaftliche Auswirkungen zeigt. Sei es bei den Einbußen in der Landwirtschaft oder den Problemen mit der Binnenschifffahrt aufgrund niedriger Wasserstände in den Flüssen; die Diskussionen werden sich sicherlich um diese Themen drehen. Konkrete Beschlüsse mit weitreichenden Maßnahmen werden allerdings nicht erwartet – dazu ist die Kluft zwischen Gegnern und Befürwortern des Klimaschutzes derzeit zu groß. Tatsächlich betont die polnische Regierung hinsichtlich der COP 24, dass einem Kohleabbaurevier wie der Region Oberschlesien, wo die Konferenz stattfindet, große Bedeutung zukommt, was eher darauf hindeutet, dass Polen, Ungarn und andere osteuropäische Staaten die Auswirkungen des Klimaschutzes mehr fürchten als die des Klimawandels.

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